Podiumsgespräch über Gottes Wort

|   Jugendtag2017

In seiner Ankündigung als Podiumsgespräch über Gottes Wort, hatte der Guide die Frage aufgeworfen, wann die Predigt als rhetorisch-theologischer Vortrag zu verstehen sei und wann sie zum wahren Wort Gottes werde. Was könne dabei helfen, mehr Substanz aus der Predigt zu ziehen, wie könne man mehr aus dem Gottesdienst mitnehmen und sei dazu eine intellektuell geschärfte Predigt hilfreicher, als eine einfache? Mit auf der Bühne: Stammapostel Jean-Luc Schneider, die Bezirksapostel Bernd Koberstein und Wolfgang Nadolny und Bischof Harald Bias, Anne, Katrin und Marvin als Vertreter der Gemeindesicht und last but not least Evangelist Reinhard Kiefer.

Das Motto des Jugendtages „Wie im Himmel – so auf Erden“ erfordere, mit der Frage noch einen Schritt weiter vorn anzufangen, moderierte Christian Klippert die Veranstaltung an. Es gehe „um die Frage, wie wir als Gottesdienstbesucher es schaffen, vielleicht noch mehr dieses Willen Gottes zu verstehen“. Er nahm Bezug auf eine Äußerung des Stammapostels: „Nicht alles, was vom Altar kommt ist Wort Gottes oder vom Heiligen Geist gewirktes Wort.“, hatte dieser vor einiger Zeit gesagt. Wäre es denn einfacher, wenn man einfach die gesamte Predigt als Wort Gottes hinnehme? Der Stammapostel ist sicher: Das mache die Lage nicht einfacher. „Das würde doch kein Mensch glauben.“

Predigt muss mit der Bibel übereinstimmen

Wie könne man nun aber heraushören, was Wort Gottes sei? Da sei zunächst die Seite des Predigers zu betrachten. Dieser habe die Aufgabe sich zu heiligen, intensiv mit Gott zu sprechen „um zu wissen, was Gott der Gemeinde sagen will.“ Die Gemeinde könne das unterstützen, indem sie dafür bete, dass „der Heilige Geist den sprechenden Mund heiligt. Diese Heiligung muss auf beiden Seiten geschehen.“ Natürlich käme es in freier Predigt auch vor, so Reinhard Kiefer, Gemeindeevangelist und theologischer Berater des Stammapostels, dass mal etwas falsch gesagt oder verwechselt werde. Dessen müsse sich der Gottesdienstbesucher bewusst sein. Jeder Gläubige sei aufgerufen, sich auch mit dem eigenen Glauben auseinanderzusetzen. „Glaube ist nicht nur eine reine Gefühlssache.“ Außerhalb der Vermittelbarkeit, wenn man ihn also nicht einmal beschreiben könne, sei er sogar „seltsam“. „Wenn ich merke, der Prediger nimmt die Gottesdienstsituation ernst und bemüht sich darum, den Willen Gottes deutlich zu machen und die Bedürfnisse der Gemeinde zu erfüllen, spielen theologisch sachliche Fehler keine Rolle.“ Predigt müsse aber grundsätzlich mit der Bibel übereinstimmen, so der Stammapostel. „Was mit der Bibel nicht übereinstimmt, kann nicht von Gott kommen.“ Darüber hinaus könne er sich nicht vorstellen, dass der Heilige Geist Gedanken erwecke, die gegen die Einheit der Kirche seien. Anne und Katrin, von Christian Klippert als „nichtbeamtete Gottesdienstteilnehmer“ vorgestellt, sind sich bei der Frage, ob sie in jedem Gottesdienst von der Predigt berührt werden, einig. „Meistens schon.“ Aber es gäbe auch Gottesdienste, in denen das nicht 100 prozentig möglich sei. Dennoch müsse der Anspruch sein, „nicht nur unsere Zeit abzusitzen“.

Durchlässig sein für Gottes Inspiration und die Gefühle der Gemeinde

Menschliches sei in der Predigt sogar notwendig, ist Bezirksapostel Wolfgang Nadolny überzeugt. Er untermauert diesen Gedanken mit einem Bild. Würde ein Mensch nur Regenwasser trinken, käme es zu Mangelerscheinungen. Es fehlten die Mineralien und Spurenelemente, die das Wasser auf seinem Weg durch die Gesteinsschichten mitnehme. Und auch wenn ein Bild immer nur einen Ausschnitt zeige sei er sicher, „wir würden alle aus der Kirche rennen, weil wir es nicht ertragen würden“, wenn Gott einen Engel aus dem Himmel zum Predigen in den Gottesdienst schicken würde. Genau genommen mache gerade die Erkenntnis des Predigers, selbst angesprochen zu sein, das Wort Gottes für die Gemeinde erträglich. Für ihn sei entscheidend, was der Heilige Geist auf beiden Seiten tue – auf der des Predigers und der der Zuhörenden, stellt Bezirksapostel Koberstein fest.

Kirche schreibt keine Entscheidungen vor

Ein weiterer Teil des Gespräches widmet sich der Frage, wie die Kirche Menschen helfen könne, Zugang zum Evangelium zu finden. Ein erster Schritt sei, antwortet der Stammapostel, „dass wie den Katechismus haben“. Dieser helfe, die Grundwerte des Evangeliums zu erkennen und „zu erkennen, dass Haarschnitt und Bart nicht zum Evangelium gehören“. Er stelle klar, „das ist unsere Lehre, das ist Evangelium, das ist Apostellehre“. Das sei ihm wichtig, um den Mitgliedern zu helfen, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. „Es ist nicht Aufgabe der Kirche, den Menschen Entscheidungen vorzuschreiben. So geht das nicht. Es geht darum, dass der Mensch sich frei für Jesus Christus entscheidet." - und nicht um das Befolgen von Regeln, die vermeintlich in den Himmel führen.“ Der Gottesdienst enthalte Hinweise zum Willen Gottes. „Aber wir müssen unsere Entscheidung treffen.“

Musik kann Grenzen überschreiten

Musik könne helfen, Zugang zum Wort Gottes zu finden. Für Bischof Harald Bias hat Musik einen wichtigen Platz im Gottesdienst. „Was wäre denn Speise ohne Getränk?“ Erst ein gutes Getränk zu guter Speise mache ein Mahl, schmunzelt er. Musik könne Menschen aus Situationen abholen, „da findest du keine Worte“. Sie könne auch helfen, sich dem Gottesdienst zu öffnen. „Wenn das nicht Wirksamkeit Heiligen Geistes ist, dann weiß ich nicht“. Sie sorge dafür, „dass auch der was mitnehmen kann, der vom Wort gar nichts richtig mitbekommt aber zur Feier des Heiligen Abendmahles ganz da ist, wo der Herr ist.“ Marvin, seit einigen Jahren Diakon in der Gemeinde, warnt davor, die Kraft Gottes im Gottesdienst zu unterschätzen. Es sei in der Bank leicht, Ansprüche an die Predigt zu formulieren. Die Ansichten würden sich aber schlagartig ändern, wenn man selbst am Altar stünde. Dann erkenne man „die Schere zwischen geschliffener Predigt, Anspruch der Gemeinde und dem, was Gott vermitteln will.“ Ein Gottesdienst sei nicht nur Predigt, so der Stammapostel. „Das ist mit äußerst wichtig.“ Er werde gemeinsam mit der Gemeinde gestaltet. Die Gemeinde müsse sich in Gebet und Gottesdienst erkennen können. Das erfordere eine starke Verbindung in die Gemeinde. Im Gottesdienst müsse die Gemeinde mitwirken können. Bezirksapostel Nadolny greift einen Gedanken des Vortages auf: Wichtig sei für den Prediger die Konzentration auf die Frage, ‚Was will Gott jetzt mit mir machen?‘

Verstehen, was Gott sagen will

Die Schlussrunde beschäftigt sich mit der Frage, wie man es schaffen könne zu verstehen, was Gott einem im Gottesdienst sagen wolle. Bischof Bias empfiehlt, nicht Konsument zu sein, sondern sich aktiv in den Gottesdienst einzubringen. „Nehmt das Wort Gottes ganzheitlich.“ Für Bezirksapostel Nadolny ist die Erkenntnis ‚Gott ist gegenwärtig’ bei den Anwesenden die Basis für das Verständnis des Wortes Gottes. Marvin: „Der kindliche Glaube – Urvertrauen – muss da sein.“ Bezirksapostel Koberstein führt zwei Punkte an. Der erste sei die Heiligung des Dienenden, der zweite der Glaube des Gottesdienstbesuchers. „Wenn Glaube auf Heiligung trifft wird Predigt Kraft.“ Gott sage zum Menschen ‚komm zu mir‘, so Stammapostel Schneider. Diese Liebe Gottes sei erkennbar. „Dann muss aus unserer Liebe der Wunsch werden, zu Gott zu kommen.“ Anne ist es wichtig, wenigstens ein oder zwei Punkte aus dem Gottesdienst zu erinnern. Für Katrin geht es darum, die eigene Einstellung einfach anzunehmen und sich dann die Möglichkeit zu schaffen, dem Prediger vorbehaltlos zuhören zu können. Evangelist Kiefer erläutert, in der Predigt erfahre man nicht nur den Willen Gottes, sondern auch, wer man selbst sei. Das Heilige Abendmahl sei eines der Zentren der Gottesbegegnung. „Wenn wir das als Bedürftige genießen, hat sich der Gottesdienst schon gelohnt.“ Abschließend empfiehlt Moderator Christian Klippert: „Nutzt die Chance. Ihr habt viele Ideen gehört. Morgen ist die Möglichkeit, das einmal auszuprobieren.“

25. - 28. Mai 2017

BBJT am Werbellinsee