Apostel im Gespräch

|   Jugendtag2017

Als die Zuhörer nach über einer Stunde in die Sonne und zum Abendessen entlassen wurden, konnte man noch einige angeregte Gespräche hören. Im Zelt, dem zentralen Veranstaltungsort des diesjährigen Jugendtags, wurden über eine Stunde lang Fragen zum christlichen Glauben und zur Neuapostolischen Kirche erörtert. Diese Fragen wurden im Vorfeld von den Jugendlichen per Whatsapp oder Webseitenformular eingereicht und vom Moderatorenteam Karla und Peter den Gästen auf dem Podium gestellt: Stammapostel Jean-Luc Schneider, kurz zuvor auf dem Gelände am Werbellinsee angekommen, und die Bezirksapostel Bernd Koberstein und Wolfgang Nadolny.

Gleich mit der Einstiegsfrage wurde deutlich, dass die Jugend durchaus an theologischen Fragestellungen interessiert ist. Ob denn angesichts der Allmacht Gottes das Opfer Jesu überhaupt nötig war, wurden die Apostel gefragt. Solcher und anderer in die Tiefe gehender Fragen wurde nicht ausgewichen und trotz entspannter Stimmung wurden sie mit Ernsthaftigkeit und ausführlich beantwortet.

Zentrale Themengebiete des Podiumsgesprächs waren "Christsein im Alltag" oder "Die Kirche in der Gesellschaft". Für mehr gelebtes Christsein plädierte Stammapostel Schneider, was sich u.a. in mehr Nächstenliebe zeigen solle, allerdings nicht aus Zwang oder auf Anweisung, sondern aus Überzeugung.

Auf die Frage zum Spannungsfeld zwischen Stärkung der Gemeinden durch interne Aktivitäten und Öffnung nach außen gab es eine klare Antwort. Ob in der Obdachlosen- oder in der Flüchtlingshilfe: die Gemeinden können auch aktiv sein, indem sie anderen helfen. Eine weitere Frage der Jugend war, ob Mitteleuropäer überhaupt verstünden, was gemeint ist, wenn von Verzicht gesprochen wird. Die Apostel erläuterten daraufhin die Bedeutung des Fastens in der Bibel, was sich mehr darauf bezieht, das, was man hat zu teilen und den Mitmenschen zu helfen.

Auch die Seelsorge sei keine Aufgabe nur für die Amtsträger. Jeder Christ kann auf den Nächsten zugehen, für die Person da sein und auch einmal mitleiden. Als grundlegenden Rat zur Seelsorge gab Stammapostel Schneider den Zuhörern mit, einfach mal "Klappe halten und zuhören", das komme in unserer Gesellschaft oft zu kurz.

Neben diesen theologischen Fragestellungen wurden auch Einblicke in die Arbeit der Bezirksapostel gewährt. Angesichts der verschiedenen kulturellen Hintergründe und persönlichen Unterschiede wurde die Frage gestellt, wie die Apostel überhaupt zusammenarbeiten könnten. Diese machten kein Geheimnis daraus, dass es auch in ihrem Kreis verschiedene Ansichten und Meinungen gebe. So erinnerte Bezirksapostel Nadolny an die ersten Apostel, die nach seinen Worten hart aneinander gerieten. Der Weg zu einem Konsens liege jedoch im offenen Austausch und dem Willen zum Frieden.

Doch woraus ziehen die Apostel immer wieder ihre Motivation? Die Antwort darauf war eindeutig: aus Jesus Christus! Der sichtlich bewegte Stammapostel verwies auf Eltern, die ihre Kinder verloren haben oder Menschen, die für ihren Glauben ins Gefängnis geworfen werden. Wenn Jesus diesen Menschen die Kraft gibt, ihre Situation zu ertragen, dann könne er nicht über seine Aufgabe klagen. Wenn man mehr Kraft benötige, sei sie bei Jesus jederzeit abrufbar.

Während des gesamten Gesprächs wurde immer wieder deutlich, was zentraler Aspekt des christlichen Glaubens ist: Die Liebe Gottes zu den Menschen. So auch in der Antwort zur ersten Frage: Gott will die Menschen durch Liebe zu sich führen und nicht durch Druck. Dies zeigte Gott, indem er selber Mensch geworden ist und die Menschheit somit zuerst liebte!

25. - 28. Mai 2017

BBJT am Werbellinsee